Ich bin gelernte Tischlermeisterin, Jahrgang 1962. Das Handwerk habe ich vor über 40 Jahren auf Sylt gelernt, danach als Bau- und Möbeltischlerin gearbeitet. Holz begleitet mich also mein ganzes Berufsleben.
Zu den Urnen kam ich nicht als Geschäftsidee, sondern aus eigener Betroffenheit: 2012 starb mein Vater, und ich fertigte die Urne, in der er bestattet wurde, selbst. Was damals ein sehr persönlicher Akt war, wurde mit den Jahren zu dem, was ich heute tue.
Mir ist dabei zweierlei ein Anliegen: den Menschen ein einmaliges, würdevolles Gefäß zu gestalten – und den gefällten Bäumen die Ehre zu erweisen. Eigens für meine Arbeit fällt kein Baum. Ich bin mit wachem Blick unterwegs, ob und wo Holz bereits liegt oder wo gerade Bäume gerade gefällt werden. Hin und wieder melden sich auch Menschen bei mir und sagen: „Ich muss meine Kirsche fällen, meinen Apfelbaum – haben Sie Interesse an dem Holz?“ Und ja, das habe ich immer.
Dabei entstehen zwei Arten von Stücken: einige fertige ich, weil sie mir selbst gefallen, weil mich manches Stammstück richtig ruft – sie stehen zum Verkauf bereit. Andere entstehen in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen, ganz so, wie sie es sich vorstellen. So begleite ich ein Stück durch die Trauer und das Mitgestalten mag ein kleines bisschen Trost spenden.
Gelegentlich werde ich gefragt, ob es mir nicht leid tue – um die viele Arbeit, die in einem Stück steckt, das am Ende doch in der Erde verschwindet. Ich sage dann: Nein. Diese Stücke entstehen, um zu vergehen. Und all die Liebe, die in ihre Fertigung geflossen ist, verströmt sich beim Behüten der Asche unter der Erde in sie zurück.
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