Vierzig Jahre immer wieder Holz in den Händen – das beginnt mit einer Ausbildung auf Sylt, wo ich als Berlinerin bei dorthin gezogenen Schwaben an Deutschlands nördlichstem Ort eine süddeutsche Ausbildung erhielt. Seitdem dreht sich mein Leben immer wieder um das selbe Material: erst als Bau- und Möbeltischlerin, heute als Tischlermeisterin, die Urnen fertigt.

Den Anfang machte kein Auftrag, sondern mein Vater. Er starb 2012, und ich baute die Urne, die ihn tragen sollte, selbst. Dieser sehr persönliche Akt zeigte mir, dass dies eine Arbeit ist, die mein Herz berührt, und so wurde es über die Jahre das, was ich heute tue.

Zwei Dinge liegen mir dabei am Herzen: ein besonderes, einmaliges Gefäß für den Menschen zu gestalten – und auch ein Zeichen des Respekts für den Baum, der es „hergibt“ zu setzen. Eigens für meine Arbeit fällt kein Baum. Auf meinen Spaziergängen halte ich die Augen offen, wo Holz bereits liegt oder wo gerade gefällt wird. Und manchmal kommt auch jemand auf mich zu: „Meine Kirsche muss weg, mein Apfelbaum – hätten Sie Interesse?“ Die Antwort ist immer dieselbe: ja.

So entstehen zwei unterschiedliche Wege zur einer Urne. Manche Stücke wähle ich, weil ein Stamm mich einfach ruft. Andere wachsen gemeinsam mit den Angehörigen, Schritt für Schritt, nach deren Vorstellung. Das Handwerk als Begleitung – ein Stück Trauerarbeit, bei dem das Mitgestalten vielleicht ein wenig trägt.

Dabei verändert sich gerade, wofür eine Urne überhaupt bestimmt ist. Während der Friedhofszwang in Deutschland noch vielerorts gilt, beginnt er sich Bundesland für Bundesland zu lockern – und immer öfter bleibt eine Urne auch einfach dort, wo die Erinnerung zu Hause ist: zum Beispiel im Wohnzimmer, auf dem Regal….oder im eigenen Garten.